Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

08.10.2018 von Freddy Narewski

Berichte über den Emder Seniorentag 2018


Emder Zeitung

Senioren als eine wertvolle Ressource

Franz Müntefering sprach beim zweiten Emder Seniorentags über das Älterwerden, ließ die Politik aber nicht ganz außen vor

Von Elisabeth Ahrends

Emden. Franz Müntefering hält sie für eine wertvolle Ressource, die mit der Währung Zeit bezahlt: die Senioren in Deutschland. So zumindest formulierte es der ehemalige Vizekanzler und Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) am Samstag in seinem Grußwort beim zweiten Emder Seniorentag. Das fiel mit knapp 45 Minuten etwas umfassender aus, als zunächst veranschlagt.

In den kommenden Jahren werde die Gesellschaft zu rund einem Drittel aus Senioren bestehen, ist der ehemalige Spitzenpolitiker überzeugt. Deshalb bräuchten die älteren Bürger in der Gesellschaft eine Lobby - „aber nicht auf Kosten der Kinder und Kindeskinder”. Vor rund 80 Zuhörern warf er die Frage in den Raum, wie viel Idealismus man erwarten müsse, damit der Nachwuchs heute noch schlecht bezahlte Pflegeberufe erlernt. „Wir müssen da was tun”, forderte er die Politik auf, die Versäumnisse der vergangenen Jahre anzugehen.emder seniorentag 2018 franz müntefering

Er appellierte an die Senioren, aktiv im Alter zu bleiben und sich frühzeitig mit dem Thema Älterwerden auseinanderzusetzen. Das fange bei der Bewegung an. „Treppen sind keine Gegner”, glaubt der 78-Jährige. Zwei bis drei Mal pro Woche in der Gruppe spazieren zu gehen, sei schon der richtige Weg.

„Unsere Währung ist die Zeit, aber nehmen wir uns heute noch Zeit für einander?”, stellte er die Frage in den Raum. Früher hätten verschiedene Generationen zusammengelebt und sich ausgetauscht, heute sei es wichtig, dass Generationen zusammen kämen, um sich über Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Seine Stichworte lauteten dabei „lehren und lernen”.

Während sich der BAGSO-Vorsitzende im Forum der Volkshochschule dem Älterwerden in der Theorie widmete, zeigten rund 20 Aussteller im Foyer, welche Angebote Emden für Senioren zu bieten hat. Dort waren vom Senioren- und Pflegestützpunkt über verschiedene Sportgruppen bis zu den Seniorenlotsen sowie Altenheimseelsorge ganz unterschiedliche Ansprechpartner vor Ort, die Informationen rund um das Motto „Fit in Form” lieferten.

Organisiert hatte den zweiten Emder Seniorentag der Emder Seniorenbeirat. Seit 25 Jahren setzt der sich in der Seehafenstadt für die Belange der älteren Bürger ein. Aktuell seien altersgerechtes Wohnen und Ärzteversorgung auf dem Land die Themen, die den Beirat umtreiben und ihn zu einer Vernetzung mit anderen ostfriesischen Seniorenbeiräten Anfang des Jahres veranlasst hatten.


Emder Zeitung vom Montag, 8. Oktober 2018, Seite 5 (3 Views)










OZ

Müntefering: Wissen alter Leute nutzen

Von Michael Hillebrand

Demografie Ex-Vizekanzler sprach am Sonnabend beim 2. Emder Seniorentag in der Volkshochschule

Er appellierte an die Gesellschaft, auf den Erfahrungsschatz der über80-Jährigen nicht zu verzichten. Außerdem müssten Pflegekräfte besser bezahlt werden.

Emden - Anlässlich des
2. Emder Seniorentags war am Sonnabend der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) zu Gast. Vor rund 100 Zuhörern sprach er im Forum der Volkshochschule über die Rolle, die alte Menschen in der Gesellschaft einnehmen und einnehmen sollten. Der Seniorenbeirat der Stadt Emden, der die Veranstaltung ausrichtete, hatte den 78-Jährigen in seiner Funktion als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (Bagso) eingeladen.

Derzeit gebe es in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen, die älter als 80 Jahre seien, führte Müntefering aus. Die Zahl werde sich voraussichtlich in den kommenden zehn bis
20 Jahren verdoppeln. Weil das weitreichende Folgen hat, müsse sich etwas ändern, forderte er. Früher hätten grundsätzlich mehrere Generationen unter einem Dach gelebt. Inzwischen sei das nicht mehr so, unter anderem, weil viele Menschen ihre Heimat für den Beruf verlassen. Die Pflegekräfte, die sich stattdessen um die ältere Generation kümmern müssen, seien jedoch schlecht bezahlt. Das beginne schon in der Ausbildung. „Wie viel Idealismus muss man bei der Jugend
voraussetzen, dass sie so einen Beruf ergreift?“, fragte der Sozialdemokrat. Der Staat könne aber nicht einfach höhere Löhne festsetzen, machte er deutlich. Stattdessen müssten die Fachkräfte selbst dafür kämpfen. Von ihnen seien derzeit aber nur acht Prozent Mitglieder einer Gewerkschaft.

Ein weiteres Problem ist laut Müntefering, dass rechtlich nicht vorgeschrieben ist, wer auf Kommunalebene für die Altenpolitik zuständig ist. In diesem Zusammenhang lobte er den Emder Senioren- und Pflegestützpunkt, der Betroffenen und Angehörigen Beratungen zu Lebens- und Alltagsfragen anbietet. Finanziert wird die Einrichtung vom Bund, vom Land Niedersachsen und der Stadt.

Müntefering wies auch auf das Potenzial hin, das Senioren mitbringen. 80 Prozent der über 80-Jährigen könnten sich heute noch selbst versorgen – und sie hätten einen großen Erfahrungsschatz, den man in der Gesellschaft gebrauchen könnte, sagte er. Das Wissen werde aber nicht ausgeschöpft. „Dabei würden wir uns doch auch nicht aufgeben, wenn wir alte Maschinen wären, die aber noch funktionierten“, sagte der Sauerländer. Viele ältere Menschen zögen sich zurück und fühlten sich dann „verdammt allein“. Einige Senioren wollten sich dabei nicht eingestehen, dass sie alt seien, und verzichteten deswegen auf Angebote für ihre Zielgruppe.

Neben Müntefering gab es beim Seniorentag noch weitere Redner. An Infoständen im VHS-Foyer präsentierten sich Firmen, Gruppen, Vereine und Verbände.