FDP Emden

"FDP will neuen Antrag für Gedächtniswald" Ostfriesen-Zeitung vom 17.09.2020

Uwe Grimm (dritter von rechts) hat vor 20 Jahren den Emder Stadtwald angelegt und erklärt bei einer Waldbegehung mit FDP-Mitgliedern sowie Enno Herlyn (links) und Christoph Cordes (zweiter von rechts) vom Schloss Gödens den Bestand. Bild: Hanssen

Mona Hanssen

Ruhe Stadt hatte ablehnend reagiert – jetzt Überzeugungsarbeit bei Fraktionen

Emden - An einigen Bäumen hängt ein gelbes, an anderen ein rotes Band. Auf dem Waldboden liegen Äste, dazwischen hier und da die Hinterlassenschaft eines Hundes. Noch wirkt dieser Abschnitt des Emder Stadtwaldes nicht ganz wie ein Ort der letzten Ruhe. Das soll er aber werden, wenn es nach der FDP geht. „Die gelb markierten Bäume sind für Bestattungen geeignet, die rot markierten müssten entnommen werden“, erklärt Uwe Grimm. Vor 20 Jahren hatte der heutige Bezirksförster aus Lütetsburg den Stadtwald maßgeblich mitangelegt. Er zeichnet bei einer Waldbegehung am Mittwoch zusammen mit Enno Herlyn und Christoph Cordes vor, wie er aussehen könnte: der Emder Bestattungswald. Herlyn, Generalbevollmächtigter auf Schloss Gödens, und sein Assistent Cordes gehören zum Verwaltungsteam des Gedächtniswaldes in Leer-Logabirum. Auch an Emden haben sie als Standort ein großes Interesse. Das Problem: Die Stadtverwaltung hatte sich im Juni vom Antrag der FDP, im Stadtwald Begräbnisse möglich zu machen, nicht begeistert gezeigt.

Die Bäume stünden zu eng, der Boden sei zu feucht und es müsste noch viel Geld in das Wegenetz investiert werden, hatte Stadtbaurat Andreas Docter angeprangert. Die Stadt müsste zu viel Geld in das Projekt stecken, während bereits sechs Stadtfriedhöfe unterhalten werden müssten. Grimm aber spricht von einem „moderaten Eingriff“: Die rot markierten Bäume müssten gefällt werden, damit die gelb markierten besser wachsen und für Bestattungen geeignet wären. Ein solcher Eingriff – eine sogenannte „Durchläuterung“ – sei bei dem Wald ohnehin regelmäßig notwendig, damit er gesund wachse. Ansonsten seien die meisten Wege im Wald laut Grimm sogar für Lastwagen ausgerichtet. Die Gehwege zwischen den Bäumen würden freigeräumt und mit Holzhackschnitzeln belegt werden. Die zwei infrage kommenden Abschnitte des Waldes – jeweils etwa zehn Hektar groß – liegen bewusst am Rand. Der eine ist direkt von der Herderstraße zu erreichen, der andere von der Straße Voßfenne aus. Vorstellbar wäre, so Cordes, den Autoverkehr von der Herderstraße aus ein Stück in den Wald hinein zu erlauben und dort einen kleinen Parkplatz einzurichten. „Den Waldcharakter wollen wir aber nicht stören“, betont Herlyn. Auch der Aspekt der Naherholung solle nicht beeinträchtigt werden. In direkter Nähe wäre eine Fläche geeignet für einen Andachtsplatz, so Cordes. „Da sind die Bäume nicht gut angewachsen“, erklärt Grimm. Die könnten Bänken und einem Unterstand weichen. Insgesamt habe sich der Wald aber sehr gut entwickelt.

„Wir werden jetzt offensiv bei den anderen Fraktionen werben“, betont Erich Bolinius. Noch am Mittwochabend habe er eine E-Mail an alle geschickt. „Nach dieser Vorstellung und Besichtigung sind wir noch mehr zu der Überzeugung gekommen, dass ein Bestattungswald für Emden eine großartige Bereicherung wäre“, schreibt er darin. Und weiter: „Die Argumente der Verwaltung, damit würden Bestattungen auf den städtischen Friedhöfen zurückgehen, können wir nicht folgen.“ Denn: Jene Emder, die eine Waldbestattung wollen, würden dann nach Lütetsburg oder Logabirum ausweichen, und wären für Emden verloren. Auch Herlyn und Cordes sollen Überzeugungsarbeit leisten, hofft Bolinius. Dann wolle die FDP erneut den Antrag für einen Bestattungswald stellen.

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Emder Zeitung vom 18.09.2020

Appell für einen Emder Gedächtniswald

BESTATTUNGSWESEN - Trotz der ablehnenden Haltung der Stadt wollen die Liberalen die anderen Fraktionen überzeugen

Stephanie Schuurman

EMDEN. Ortsbegehung mit dem Förster, der seinerzeit den Emder Stadtwald angelegt hat: Uwe Grimm bestätigt am Mittwochabend vor Mitgliedern der FDP die generelle Eignung des Geländes für Urnenbestattungen. Der potenzielle Betreiber dieser Erinnerungsstätte, Vertreter des Gedächtniswaldes in Logabirum, präsentieren fertige Pläne, deren Umsetzung keines großen Aufwandes bedarf. Alles scheint perfekt, wenn da nicht die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung gegenüber einem Emder Gedächtniswald wäre. Doch dagegen will FDP-Fraktionschef Erich Bolinius jetzt „positive Überzeugungsarbeit“ bei den anderen Fraktionen leisten. „Der Stadtwald ist für uns ein Glücksfall. Wir können nicht alles nur auf die Kostenschiene abschieben, nur weil der städtischen Friedhofsverwaltung Gelder flöten gehen. “

Wie berichtet, hatte die Verwaltung auf einen ersten Antrag der FDP für einen Gedächtniswald vom Juni ablehnend reagiert und ihrerseits das Projekt Baumbestattungen auf dem Friedhof Tholenswehr gestartet - auch mit Verweis darauf, dass die Unterhaltung einer weiteren Friedfläche zu teuer käme. Stadtbaurat A ndreas Docter hatte erklärt, dass die Bäume im Stadtwald zu dicht beieinander stünden, der Boden zu feucht sei und im Falle einer Friedstätte noch viel Geld in die Infrastruktur gesteckt werden müsse, also des Wegenetzes samt Brückenbau über Gräben.

Argumente, die insbesondere der Förster nicht gelten lassen will. Für die Aufforstung des Waldes vor 20 Jahren sei bereits mit Fördermitteln ein sieben Kilometer langes Wegenetz angelegt worden, das auch Lkw-tauglich sei. „So haben wir bereits heute eine sehr schöne Erschließung“, sagte Grimm. „Was wir hier haben, ist schon die Luxusversion aller Wälder.“

Was darüber hinaus an Wegen nötig ist, sei mit Holzschnitzeln zu ermöglichen, auch um den Waldcharakter nicht zu verändern. Zudem soll nicht die ganze 71 Hektar große Fläche zum Gedächtniswald werden. Wie in Logabirum, wo von 15 Hektar ein Drittel für den Gedächtniswald vorgehalten ist, soll in Emden mit kleineren Arealen gestartet werden. „Wir müssen keine 60 Hektar instandhalten und dort für Sicherheit sorgen“, sagte Enno Herlyn , Generalbevollmächtigter des Schlosses Gödens und Betreiber in Logabirum.

Zwei potenzielle Flächen haben die Befürworter in Emden ausgemacht. Die eine nahe der Herderstraße, von der aus möglicherweise auch eine Anbindung zu einem in dem Wald eingerichteten Andachtsplatz samt Parkplatz möglich wäre. Eine andere Fläche wäre über die Anbindung Auricher Straße und Voßvenne denkbar. Beide Flächen zeichnen sich durch bereits ältere Baumstrukturen aus.

Im Übrigen ungewöhnlich gut gewachsen, dank des nährstoffreichen Bodens, wie Förster Grimm betont. Der Förster der Landwirtschaftskammer und der Wedel’schen Forsten verwies auf die ohnehin notwendige „Durchläuterung“ des Waldes. Schwächere Bäume müssen regelmäßig für das Wachstum der kräftigeren weichen. Die kräftigeren würden schon heute als Bestattungsbäume ausreichen, der Eingriff in die vorhandene Struktur „moderat“.

Und die möglichen Begräbnisbäume stünden schon im passenden Abstand, wie Gedächtniswald-Projekt-Mitarbeiter Christoph Cordes feststellte. Er betonte, dass der Gedächtniswald kein Einschnitt für die jetzigen Besucher bedeute. Sie könnten künftig ganz im Gegenteil auf mit Holzhackschnitzeln befestigten Wegen weiter in den Wald hineinlaufen. Cordes: „Der Freizeitwert erhöht sich dadurch, ohne den Waldcharakter zu verändern.“

 

Chance jetzt ergreifen

Kommentar

Noch ist es für viele schwer vorstellbar, dass in dem jungen Emder Stadtwald einmal Gedächtnisstellen für die Angehörigen oder gar für einen selbst geschaffen werden. Denkt man sich aber einmal ein paar dünne Bäumchen von den inzwischen schon ganz beachtlich gewachsenen Eichen, Buchen oder Linden weg, denkt man vielleicht noch ein, zwei Jahrzehnte weiter - dann kann man die einzigartige Gedächtnisstätte schon erahnen, die wohl nur in einem Wald so entstehen kann. Und die längst im Trend ist: allein im Gedächtniswald Logabirum sind seit der Eröffnung 2019 über 100 Bestattungen erfolgt. In Aurich ist ein Gedächtniswald beschlossen, in Lütetsburg gibt es einen. Diese alternative Bestattungsform soll sogar bei der Wohnortwahl entscheidend sein. Davon unabhängig verschenkt sich die Stadt sicher nichts (oder nicht viel für ihre Friedhöfe), die Chance zu ergreifen. Und zwar jetzt! Denn jetzt gibt es einen Betreiber, der den Wald entsprechend herrichten kann. Das offenbar mit viel Würde und Erfahrung.

stephanie.schuurman@emderzeitung.de

Stephanie Schuurman zum Gedächtniswald