FDP Emden

Anfrage wegen Löschcontainer für brennende Elektroautos

FDP-Fraktion

Erich Bolinius

Fraktionsvorsitzender

 

Emden, den 2.8.20

 

An den

Vorstand der Stadt Emden

 

Anfrage wegen Löschcontainer für brennende Elektroautos

 

Sehr geehrte Herren,

nachstehend eine Anfrage des Kreisgeschäftsführers des Emder FDP-Kreisverbandes den ich zur Beantwortung hiermit offiziell als Anfrage der Fraktion weiterleite.

Mit hartelk Gröten

Erich Bolinius

 

Anfrage: Löschcontainer für brennende Autos

 

Auch in Emden nimmt die Anzahl der Elektro- und Hybridautos stetig zu und damit die Herausforderung, denen sich die Feuerwehr bei entsprechenden Einsätzen stellen muss. Geraten Fahrzeuge, die mit Lithiumbatterien ausgestattet sind, in Brand, so gestaltet sich die Löschung desselben anders als bei konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Die Batterien können sich immer wieder entzünden, da der Löschangriff nur unter Ausschluss von Sauerstoff erfolgreich sein kann. Hierzu sind sogenannte Löschcontainer bzw. Hochvoltcontainer notwendig, in denen das brennende Elektroauto mit einer Seilwinde gezogen werden muss bevor der Container mit Wasser geflutet werden kann, um den Brand zu löschen. Anschließend muss das kontaminierte Wasser von einer Spezialfirma entsorgt werden.

 

Angesichts der Tatsache, dass der Bestand an Elektroautos in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird, muss die Thematik beleuchtet werden.

Anfrage

  1. Welche Strategie verfolgt die Stadt Emden, um die Feuerwehr mit ausreichend Löschcontainer für brennende Elektroautos auszurüsten?
  2. Mit welchen Anschaffungs- und Wartungskosten ist jeweils ein Löschcontainer für brennende Elektroautos verbunden?
  3. Welche und wie viele Spezialfirmen übernehmen in der unmittelbaren Umgebung die Entsorgung des kontaminierten Löschwassers?  
  4. Welcher zeitliche Mehraufwand würde für die Freiwillige Feuerwehr bei der Bedienung des besagten Containers entstehen?
  5. Welche Zeit würde ab der Alarmierung eines Elektroautos vergehen, bis der Container zum Löschen einsatzbereit stünde?
  6. Haben die Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen genügend Möglichkeiten sich auf diesem Gebiet weiterzubilden?

 

 

Antwort der Stadtverwaltung:

Anfrage der FDP-Fraktion vom 02.08.2020

Löschcontainer für brennende Elektroautos

 

Vorwort:

Die Feuerwehr Emden beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit einer möglichen Brandbekämpfung von Elektrofahrzeugen. Das gilt ebenso für mögliche technische Hilfeleistungen, z. B. nach Verkehrsunfällen. Dazu wurden schon mehrere Aus- und Fortbildungsveranstaltungen im eigenen Haus durchgeführt, einige Feuerwehrleute haben an externen Veranstaltungen teilgenommen. Zudem steht die Feuerwehr im regelmäßigen Kontakt mit der Werkfeuerwehr der Volkswagenwerke Emden. Auf dem Markt gibt es mittlerweile zahlreiche Löschmittel und Hilfsgeräte für brennende Elektroautos. Die Praxistauglichkeit der neuen Mittel und Geräte muss allerdings noch bewiesen werden. Auch das Thema Brandfolgeprodukte (Brandrauch, Löschwasser usw.) wird bearbeitet. Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) der Feuerwehrleute wurde ergänzt und die Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) nach dem Stand der Technik und Taktik angepasst. Ein Löschfahrzeug der Hauptberuflichen Wachbereitschaft (HWB) wurde mit einem gelbildenden Löschmittel ausgestattet. Die Unfallversicherungsträger haben diverse Merkblätter und Richtlinien veröffentlicht, die im Rahmen der Ausbildung besprochen werden.

Aus zahlreichen praktischen Brandeinsätzen anderer Feuerwehren aus der jüngsten Vergangenheit ist bekannt, dass die Hochvoltbatterien nur in seltenen Fällen am Brandgeschehen teilnehmen. Die Entwicklung wird sorgfältig beobachtet. Falls geboten, wird sich die Feuerwehr Emden anpassen

Demnach gebe ich folgende Antworten:

zu Frage 1:

Die Feuerwehr Emden hat einen bereits vorhandenen Abrollbehälter „Mulde“ mit einer Folie ausgerüstet, so dass eine Art „Badewanne“ entsteht. Mit einem im Fahrzeugpark vorhandenen Ladekran kann ein brennendes Elektroauto in diese mit Wasser gefüllte Badewanne angehoben und eingetaucht werden, so dass die Hochvoltbatterie komplett unter Wasser liegt und somit gelöscht werden kann. Die Werkfeuerwehr der Volkswagenwerke hat ebenfalls eine wasserdichte Mulde, die im Bedarfsfall angefordert werden kann.

zu Frage 2:

Die Wartungskosten für den vorgenannten Abrollbehälter „Mulde“ liegen bei ca. 100 € pro Jahr.

Die Industrie bietet neuerdings sog. „Hochvoltcontainer“ an. Je nach Ausrüstung und technischem Umfang können solche Container zwischen 50.000 € und 80.000 € kosten. Die Wartungskosten pro Jahr dürften im niedrigen vierstelligen Bereich liegen. Die Feuerwehr wird dieses Produkt in der Marktnutzung beobachten und sofern sich ein Bedarf ergibt, dem Rat dann entsprechend eine Aufnahme in die jährliche Investitionsliste vorschlagen.

zu Frage 3:

Bei einem Fahrzeugbrand werden bei Bedarf Vertreter des Umweltamtes zur Einsatzstelle beordert. Das Umweltamt kümmert sich um die Entsorgung des kontaminierten Löschwassers. Das Umweltamt hat dazu verschiedene Kontaktadressen von geeigneten Umweltfirmen in Norddeutschland. Der BEE wird immer dann informiert, wenn kontaminiertes Löschwasser in die Oberflächenentwässerung eingedrungen ist. Der BEE hat ggfls. eigene Saug-und Spülfahrzeuge.

zu Frage 4:

Der Zeitaufwand für den in Frage 1 beschriebenen Abrollbehälter beträgt ca. 10 Minuten. Die von der Industrie angebotenen Hochvoltcontainer sind geringfügig schneller einsatzbereit. Grund für die jeweilige Aufrüstzeit ist, dass sie von einem Wechselladefahrzeug aufgenommen werden müssen.

zu Frage 5:

Nach der Feststellung, dass ein Container tatsächlich benötigt wird, würden rund 15 bis 30 Minuten vergehen, bis der Container vor Ort einsatzbereit ist. Das Zeitfenster ist abhängig von verschiedenen Parametern (Einsatzort, Fahrzeit, Zugänglichkeit etc.).

zu Frage 6:

Bisher können die Feuerwehrleute nur in der Theorie ausgebildet werden. Für praktische Ausbildungen stehen keine Elektroautos oder Batterien zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

gezeichnet: Lenz