Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

16.07.2018 von Freddy Narewski

FDP stellt Anfrage wegen "Urbane Datenräume"

Emder Zeitung vom Montag, 9. Juli 2018, Seite 1

Pluspunkt für den Standort Emden

Studie des Fraunhofer-Instituts zum Thema Digitalisierung bewertet die Seehafenstadt sehr gut

Von Ute Lipperheide s 0 49 21 / 89 00-416

Emden. Die Stadt Emden schneidet bei einer Studie des Fraunhofer-Instituts mit dem Titel „Urbane Datenräume” hervorragend ab. Im Vergleich zu Städten wie Bonn, Dortmund und Köln sind die Emder laut Gutachten besser.

„Das freut uns ungemein”, sagte Bernd van Ellen auf EZ-Anfrage. Er war bis Ende Juni bei der städtischen Wirtschaftsförderung beschäftigt und ist nun Koordinierungsleiter Digitalisierung. Diese Stelle ist direkt beim Vorstandsbüro der Stadt angesiedelt. Van Ellens Aufgabe ist es seit Jahren, die digitale Zukunft im Stadtgebiet Emdens voranzubringen.

„Diese Beurteilung des renommierten Fraunhofer-Instituts kann uns vielleicht auch helfen, mehr auf den Wirtschaftsstandort Emden aufmerksam zu machen. Das ist, glaube ich, eine echte Werbung für uns”, sagte van Ellen. Vielleicht könnten sich daraus auch mögliche Ansiedlungen ergeben. „Wir spielen da auf jeden Fall in einer höheren Liga mit”, sagte er.

Die Stadt gab diese Studie nicht in Auftrag. Das hatte zunächst FDP-Fraktionsvorsitzender Erich Bolinius angenommen. „Wir sind vom Fraunhofer-Institut ausgesucht worden”, sagte van Ellen. Bolinius, der die Studie im Netz eingesehen hat, bittet nun darum, diese demnächst in einem städtischen Ausschuss vorzustellen.

Van Ellen bewertet die Ergebnisse der Untersuchung als Ansporn, um weiterzumachen und das Thema auszubauen. „Digitalisierung und alles, was darum organisiert wird, nutzt nicht nur der Wirtschaft, sondern allen Bürgern.” Aber der Effekt auf die Wirtschaft dürfe nicht unterschätzt werden: „So werden wir vielleicht auch für Firmen und Unternehmen interessant, die nicht unbedingt in erster Linie auf die Idee gekommen wären, sich hier nach Ansiedlungsmöglichkeiten umzusehen.”

 


 

FDP-Fraktion
ebolinius

Erich Bolinius

Fraktionsvorsitzender

 

Emden, den 2.7.18

 

An den

Vorstand der Stadt Emden

 

Anfrage wegen der Studie „Urbane Datenräume“

 

Sehr geehrte Herren,

das Fraunhofer-Institut „FOKUS“ hat Ende Juni 2018 die neue Studie “Urbane Datenräume – Möglichkeiten von Datenaustausch und Zusammenarbeit im urbanen Raum” vorgestellt.

Die Studie untersuchte die Städte Emden, Bonn, Dortmund und Köln.

Bei der Studie kam heraus, dass es „meist in den Kommunen an einem systematischen Überblick fehlt und datenbasierte Geschäftsmodelle kaum gefördert werden”, so Prof. Dr. Ina Schieferdecker vom Institut.

Den möglichen Nutzen sowie die Herangehensweise wurde am Beispiel von Emden erläutert. Emden schneidet nach dem ersten Lesen der Studie gegenüber den anderen untersuchten Städten am besten ab. Dennoch gibt es Handlungsbedarf.

 

Sehr geehrte Herren,

der FDP-Fraktion war nicht bekannt, dass sich die Stadt Emden an dieser Studie, die im Auftrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Bonn in Auftrag gegeben wurde, beteiligt hat.

Namens der FDP-Fraktion beantrage ich, dass im nächsten Ausschuss für Wirtschaft, Hafen, Tourismus und Digitales unter einem gesonderten Tagesordnungspunkt darüber berichtet wird. Eine reguläre Sitzung ist erst für den 6. November 2018 geplant. Solange möchten wir jedoch mit der Vorstellung / Beurteilung der Studie nicht warten, wir bitten deshalb, vorher eine Sitzung einzuplanen – eventuell nach der gemeinsamen Haushaltssitzung mit dem STU-Ausschuss am 20. September 2018.

Einige Auszüge aus der Studie sind untenstehend aufgeführt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Erich Bolinius

 

 


 

 

Auszug aus der 275starken Studie über Emden

3.5.7

Wirtschaftliche Datennutzung - Nutzungsmöglichkeiten von Daten

Der zu Beginn der Bestandsanalyse konzipierte Abfragebogen beinhaltet acht

Vorschläge, wozu Daten in smarten Kommunen genutzt werden können. Verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Emden, der Stadtwerke Emden, des Bau-und Entsorgungsbetriebs sowie der Zukunft Emden GmbH haben diese Vorschläge

Urbane Datenräume hinsichtlich ihrer Bedeutsamkeit und Praktikabilität bewertet und eigene Ideen für die Datennutzung eingebracht:–

 

Verbesserung der Kommunalpolitik:

Hinsichtlich der Möglichkeiten der kommunalpolitischen Einflussnahme und Beteiligung durch Digitalisierung zeichnet sich in Emden ein heterogenes Bild ab. So sind einige Befragte der  Meinung, dass insbesondere die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger über digitale Teilhabe und digitales Mitspracherecht einen positiven Einfluss auf die Kommunalpolitik hat. Auch können Daten von Politikerinnen  und  Politikern genutzt werden, Entscheidungen auf Basis umfangreicher Informationen zu treffen, was letztlich die Entscheidungsqualität und somit auch die Kommunalpolitik positiv beeinflussen kann. Dem stehen skeptische Aussagen gegenüber, denen zufolge die Kommunalpolitik nur schwer zu erreichen sei.

Andere sehen keinen Verbesserungsbedarf: Informationen sind für die

Bürgergesellschaft bereits über das Ratsinformationssystem zugänglich und das

System funktioniere gut.

Mehr  Bürgerbeteiligung:

Die Nutzung von Daten zur Erreichung von mehr  Bürgerbeteiligung wird insgesamt positiv gesehen. Die Stadt - App KEPTN und Online - Zugangsportale werden in diesem Kontext als besonders hilfreich erachtet. Außerdem können fundierte Informationen aus verschiedenen

Quellen die Bürgerschaft zu einer informierten Mitwirkung bewegen.

Verbesserung der Infrastruktur:

Bei der Frage nach den Nutzungsmöglichkeiten von Daten zur infrastrukturellen Verbesserung in der Stadt ergibt sich wieder ein gemischtes Bild unter den Befragten. Knapp ein Drittel ist hier der Ansicht, dass smarte Kommunen und die Nutzung von Daten keinen bedeutenden Anteil zur Verbesserung der vorhandenen Infrastruktur leisten. Andere sehen eine positive Entwicklung, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Informationen zu Straßensperrungen oder  durch eine bessere Abstimmung zwischen Ampelanlagen und Verkehrsfluss.

Mehr Transparenz:

Alle Befragten sehen die Möglichkeit, durch die Nutzung von Daten eine erhöhte Transparenz zu schaffen, als positiv und bedeutsam an, insbesondere, wenn die Daten sofort zur Verfügung gestellt werden und viele Bürgerinnen und Bürger erreichen.

Verbesserung des Stadtbildes:

Die Nutzung von Daten zur Verbesserung des Stadtbildes wird von allen Befragten als positiv gewertet. Dies gilt insbesondere für den Einsatz von Anliegenmanagementsystemen, über die zum Beispiel Straßenschäden oder ausgefallene Straßenlaternen gemeldet

werden können.

Stärkung der Wirtschaft und Innovationskraft:

Die deutlichste Zustimmung aller Befragten erfolgte für die Nutzung von Daten mit dem Ziel, die Wirtschaft und Innovationskraft zu stärken. Dies unterstreicht die eingangs erwähnte Herausforderung, die Wirtschaft an zu kurbeln und breiter aufzustellen. In Emden wird die Digitalisierung  vor diesem Hintergrund als Chance gesehen, neue Unternehmen aus der IT-Branche nach Emden zu ziehen. Auch die KEPTN -App wird als Vehikel gesehen, die lokale Wirtschaft anzukurbeln, da der lokale Handel in der App repräsentiert ist und in der Regel

mehr Sichtbarkeit zu mehr Umsatz führt.

Stärkung der Nachhaltigkeit:

Der Digitalisierung wird unter den Befragten  insgesamt nur sehr wenig Potenzial zugeschrieben, eine signifikante Wirkung Urbane Datenräume auf die Nachhaltigkeit zu haben. In Bezug auf Klima - und Umweltschutz werden die Auswirkungen der Digitalisierung eher kritisch gesehen, da zum Beispiel neue Leitungen für die Glasfasertechnologie verlegt werden müssen.

Einen indirekten Bezug zur Nachhaltigkeit stellt ein Befragter bei

Der KEPTN –App her, da hier in hohem Maße auf den lokalen Handel verwiesen wird.

Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen:

Die Nutzung von Daten zur Verbesserung von öffentlichen Dienstleistungen wird von allen Befragten als positiv eingeschätzt. Im Kontext der verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von Daten wurden von  mehreren Befragten auch konkrete Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der IT - Sicherheit geäußert. Insbesondere die mögliche Erstellung von Bewegungs-

und Konsumprofilen auf Basis der erschlossenen Daten war eine mehrmals genannte Befürchtung, die teilweise zur kritischen Hinterfragung der Ausdehnung des Sensornetzes in Emden führte.

»Die Balance zu finden zwischen dem Nutzen und dem Schutz von Daten ist

Aufgabe der Zukunft.«

(Volker Grendel, Stadt Emden)