Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

09.11.2018 von Freddy Narewski

Apollo-Kino bleibt in Händen der Stadt

Ostfriesen Zeitung, Freitag, 9. November 2018, Seite 17

Hintergrund zum Apollo

Von Heiko Müller, Mareke Heyken UndNina Harms

Entwicklung Die Mehrheit des Emder Rats sprach sich dafür aus, das Gebäude nicht zu verkaufen

Gleichzeitig stimmte sie allerdings dagegen, zusätzliche Mittel im Haushalt festzusetzen.

Emden - Das ehemalige Apollo-Kino bleibt im Besitz der Stadt Emden. Das hat der Rat der Stadt Emden an diesem Donnerstag entschieden. Lediglich die Fraktionen von CDU und FDP befürworteten die erst am Montag von der Verwaltung eingebrachte und vom Verwaltungsausschuss unterstützte Beschlussvorlage, das umstrittene Apollo-Projekt zu beenden und das Gebäude zu verkaufen. Allerdings lehnte die Mehrheit des Rats aus CDU, GfE und FDP in einem weiteren Beschluss mehrheitlich ab, weitere 150  000 Euro im Haushalt für das Projekt bereitzustellen – die laut Planung durch einen Mietaufschlag im Nachhinein refinanziert werden sollten. Wie damit jetzt zu verfahren ist, war am Donnerstagabend auch der Stadtspitze unklar. „Weil es zwei widersprüchliche Beschlüsse sind, werde ich das prüfen lassen“, sagte Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD).

Rund zwei Stunden lang führten die Ratsherren und -frauen eine hitzige Debatte über das weitere Vorgehen. Für Bornemann sei die Beendigung des Projekts „eine große Enttäuschung“. Weil die GfE mitgeteilt habe, dass sie das Projekt wegen der höheren Kosten nicht mittragen wolle, habe er sich zu dem Vorstoß gezwungen gesehen. „Aus meiner Sicht ist das gar nicht vertretbar.“

Jochen Eichhorn (GfE) war verwundert, dass die Verwaltung am Montag so „hektisch einen Beschluss aus dem Hut gezaubert“ habe. Seine Fraktion befürworte das Projekt weiterhin – aber nur, sofern es zu keiner Kostensteigerung komme. Indem man am Projekt dranbleibe, könne er „ein Gefühl dafür gewinnen, was wir noch an Kosten abschmelzen können“.

Stadtbaurat Andreas Docter betonte, man habe nach zahlreichen Gutachten eine detaillierte Kostenplanung vorgelegt – und darin die Haushaltsmittel genau beziffert. „Das nennt man, glaube ich, Transparenz“, sagte er. Diese Aussage stieß Hillgriet Eilers (FDP) sauer auf: Während der Sitzung hatte sich herausgestellt, dass die Stadtspitze die Fraktionen, die das Projekt unterstützten, zu einem Treffen eingeladen hatte – die FDP und CDU folglich nicht. „Das hat einen skurrilen Charakter“, sagte sie. „Ich wollte klären, ob diese Fraktionen weiterhin dahinter stehen oder nicht“, rechtfertigte sich Bornemann. Unverändert gegen das Projekt war Helmut Bongartz, Vorsitzender der CDU-Fraktion. „Auf diesen Antrag warte ich schon seit sieben Jahren, versaut mir das jetzt nicht“, sagte er. Das Apollo-Gebäude habe seit dem Kauf „keinen Segen“ gebracht – und statt Geld in das Projekt hineinzustecken, hätte man einiges anderes in der Zeit finanzieren können.

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist unklar. Geplant war, einen Bauantrag zu stellen und mit Ausschreibungen zu beginnen. Ohne die finanziellen Mittel geht das laut Stadtspitze nicht.

Das Gebäude , in dem das Apollo-Kino untergebracht war, wurde im Jahr 1931 gebaut. Es steht unter Denkmalschutz.

Im Jahr 2009 fiel im Apollo-Kino der letzte Vorhang. Seitdem wird darüber diskutiert, was mit dem Gebäude geschehen soll.

Ende 2012 hat die Stadt Emden das Gebäude für 420  000 Euro gekauft. Im Rat stimmten SPD und Grüne für den Kauf, die Ratsfraktionen von FDP und CDU trugen den Beschluss nicht mit und kritisierten den Kauf von Beginn an. Seitdem ist das Apollo politischer Zankapfel. Streitpunkt waren und sind vor allem die Kosten – sowohl für den Kauf als auch für den notwendigen Umbau in ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum.

Der Emder Kulturschaffende Johannes „Urmel“ Meyering hatte den Anstoß dafür gegeben. Bereits vor dem Kauf durch die Stadt gründete er den Apollo-Verein, der einige Veranstaltungen auf die Beine stellte und an Konzepten für das Gebäude mitarbeitete. Später legte Meyering ein eigenes Betreiberkonzept vor, mit dem der Unterhalt für das Gebäude gesichert werden sollte.

Geplant war , dass Meyering zusammen mit Partnern – konkret der Veranstaltungsfirma Soundwerk und dem Künstler, Handwerker und Möbeldesigner Martyn Parish aus Hamburg – eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründet und das Gebäude mit Leben füllt. Die GbR hätte das Gebäude langfristig von der Stadt angemietet.

Das größte Problem für die Umsetzung der Pläne waren jedoch die Kosten für den Umbau. Der Rat der Stadt Emden deckelte schließlich die Kosten dafür auf 1,2 Millionen Euro.

Zuletzt wurde deutlich, dass die Kosten für den Umbau des Apollo-Kinos um rund 260  000 Euro teuer werden als ursprünglich geplant.

Zwar haben sich die potenziellen Mieter des Gebäudes dazu bereiterklärt, den Eigenanteil aufzustocken und den darüber hinaus fehlenden Betrag von 150  000 Euro über einen Mietaufschlag zu refinanzieren. Jedoch hätten diese 150  000 Euro erst über den städtischen Haushalt bereitgestellt werden müssen – das lehnten drei Fraktionen ab.

Am Montag empfahl die Stadtverwaltung, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.