Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

07.11.2018 von Freddy Narewski

Frust und Erleichterung

Emder Zeitung vom Mittwoch, 7. November 2018, Seite 3

Vor allem die möglichen Mieter im Apollo-Projekt sind tief enttäuscht

Von Ute Lipperheide s 0 49 21 / 89 00-416

Emden. Der Rückzug der Stadt Emden aus dem Apollo-Vorhaben wird genauso kontrovers diskutiert, wie zuvor die Pläne aus dem ehemaligen Kino ein Kulturzentrum zu machen. Vor allem die Initiatoren aus dem Apollo-Verein, die die Idee des Kulturzentrums vor acht Jahren hatten, sind frustriert.

Der Initiator der Idee und Vertreter der drei Mieterparteien, die mit ihren Firmen in das alte Kino einziehen wollten, Johannes „Urmel” Meyering, zeigte sich gestern tief enttäuscht und auch wütend über die Entwicklung. „Die Emder scheinen es auch nicht verdient zu haben, so etwas Gutes zu bekommen. Hier wird solange geredet und abgewogen, bis gar nichts mehr geht. Dabei stehe ich für Projekte, die erfolgreich sind”, sagte Meyering auf Anfrage der Emder Zeitung. Er hätte sich gerne mehr Rückhalt und auch mehr Durchsetzungskraft von der Stadtspitze gewünscht. „Wir hätten das durchgezogen und mit großem Erfolg für alle, aber nun wird das Projekt auf dem Tisch der politischen Kleinkrämerei geopfert”, sagte er.

Meyering führte auf, dass er Vorhaben wie die Ausstellung vom „Kaiser zum Container” innerhalb kürzester Zeit und zu einem sehr soliden Preis für die Stadt umgesetzt habe, genauso wie den Nachbau der „Villa Munch” vor der Kunsthalle. „Wer denkt, ich führe meine Sachen nicht gut aus und gut zu Ende, der weiß nicht, was ich die letzten 20 Jahre hier gemacht habe.” Das sei schon sehr enttäuschend. Ob morgen der Rat die Mehrkosten für das Apollo - es sind 150 000 Euro laut Verwaltung - doch noch widererwartend mitträgt, mag er nicht beurteilen. Er kann sich aber kaum vorstellen, dass noch umgeschwenkt wird.

Richtig froh, dass das Projekt vom Tisch ist, ist CDU-Fraktionsvorsitzender Helmut Bongartz: „Das Apollo wäre ein Fass ohne Boden geworden. Das Ding muss jetzt verkauft werden”, sagte er der Emder Zeitung. Er sieht es als nicht so schwierig an, einen Käufer zu finden, wie es Oberbürgermeister Bernd Bornemann einschätzt. Bongartz: „Vielleicht müssen wir an den Denkmalschutz für den hinteren Teil ran.” Das Gebäude, das im städtischen Besitz ist, steht komplett unter Denkmalschutz.

Auch die FDP-Fraktion „begrüßt die Entscheidung des Verwaltungsvorstandes, die Umsetzung des Apollo-Projektes nicht weiterzuverfolgen“, schreibt der Vorsitzende der Liberalen im Emder Rat, Erich Bolinius. Er geht ebenfalls davon aus, dass die Mehrkosten erheblich höher liegen, als die Verwaltung berechnet hat. Schade sei nur, dass jetzt schon Kosten für apollo ezGutachten den Stadtsäckel mit 184 000 Euro belasten würden.

Die CDU und die FDP hatten das Projekt immer abgelehnt. Die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE) hatte zunächst das Vorhaben befürwortet, aber deutlich gemacht, das Mehrkosten nicht in Frage kämen. Und gerade das kritisiert der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bernd Renken. Die Grünen und die SPD haben sich von Beginn an vehement für den Umbau des alten Kinos in ein Kulturzentrum eingesetzt.

Renken: „Die höheren Kosten der Sanierung werden durch die zugesagte Erhöhung der Eigenleistung der Mietergemeinschaft und eine Anpassung des Mietpreises gedeckt. So wird es keine Mehrbelastung im städtischen Haushalt geben. Insofern ist es überraschend und auch schleierhaft, warum die GfE diesen Schritt angekündigt hat, nachdem sie bisher sehr konstruktiv mitgearbeitet hat.“ Es sei schade, dass für junge Menschen kein passendes Freizeitangebot entstehe, aber auch die Verlässlichkeit der Politik habe durch die GfE gelitten. Deshalb hoffen die Grünen, dass die GfE ihre Haltung noch einmal überdenkt und im Rat für das Apollo-Projekt stimmt.

 


 

Ostfriesen Zeitung, Mittwoch, 7. November 2018,Seite 17, Emden

 

Apollo-Kino: Rats-Fraktionen weiter uneins

Hintergrund

Politik FDP will die Reißleine ziehen, die Grünen sehen den Vorstoß als Rückschlag

Während die Liberalen hoffen, dass die GfE der Beschlussvorlage zustimmt, wünschen sich die Grünen, dass die Wählergemeinschaft ihre Haltung überdenkt.


Emden
/ NH - Nachdem die Emder Stadtverwaltung vorgeschlagen hat, sich aus den Plänen für das ehemalige Apollo-Kino zurückzuziehen und den Verkauf des Gebäudes empfiehlt, kommen aus den Emder Rats-Fraktionen unterschiedliche Reaktionen darauf. Wie berichtet, veröffentlichte die Stadtspitze am Montag eine entsprechende Beschlussvorlage (siehe Infokasten).

Die FDP-Fraktion, die von Beginn an gegen den Kauf des Apollo-Gebäudes war, begrüßt die Entscheidung des Verwaltungsvorstandes, die Umsetzung des Apollo-Projektes nicht weiter zu verfolgen, teilt der Fraktionsvorsitzende Erich Bolinius mit. Er hoffe, dass die GfE am Donnerstag der Beschlussvorlage zustimme und die Reißleine in Sachen Apollo gezogen werden könne.

Nach Ansicht der FDP seien die ermittelten Mehrkosten aufgrund der hohen, überhitzten Auftragslage in der Baubranche noch zu positiv dargestellt. Zudem läge der Fraktion noch nicht das Ergebnis eines Brandschutzgutachtens vor. „Die FDP-Fraktion erwartet weitere hohe, nicht veranschlagte Kosten“, so Bolinius. Zudem sei es bedauerlich, dass für Architektenleistungen, für Elektroplanung und für technische Gebäudeplanung bisher schon 184  000 Euro für das Apollo-Theater ausgegeben worden seien, so Bolinius.

Die Grünen bedauern dagegen die Entscheidung der GfE-Fraktion, sich aus der Umsetzung des Apollo-Projektes zu verabschieden. „Eine sachgerechte Begründung können wir nicht erkennen“, teilt Fraktionsvorsitzender Bernd Renken in Hinblick auf die Vorlage mit. „Die höheren Kosten der Sanierung werden durch die zugesagte Erhöhung der Eigenleistung der Mietergemeinschaft und eine Anpassung des Mietpreises gedeckt. So wird es keine Mehrbelastung im städtischen Haushalt geben“, so Renken. Insofern sei es überraschend und auch schleierhaft, warum die GfE diesen Schritt angekündigt hat, nachdem sie bisher sehr konstruktiv mitgearbeitet habe, so die Grünen.

In dem Positionswechsel der GfE sehen die Grünen nicht nur einen Rückschlag darin, jungen Menschen in der Stadt Emden ein passendes Freizeitangebot zu machen. „Auch die Verlässlichkeit und Berechenbarkeit der Politik gegenüber denen, die in der Stadt ihr Unternehmen betreiben   wollen, wird durcapollo ozh den Schritt der GfE-Fraktion in Frage gestellt“, so Renken. Er hofft, dass die GfE bis zur Ratssitzung ihre Haltung überdenke.

Der Rat tagt am Donnerstag ab 18 Uhr im Ratssaal im Verwaltungsgebäude an der Ringstraße in Emden. Die Sitzung ist öffentlich.

Die Kosten für den Umbau des Apollos in Emden werden um rund 360 000 Euro teuer als geplant.

Zwar haben sich die potenziellen Mieter des Gebäudes dazu bereiterklärt, den Eigenanteil aufzustocken und den darüber hinaus fehlenden Betrag von 150  000 Euro über einen Mietaufschlag zu refinanzieren. Jedoch müssten diese 150 000 Euro zunächst über den städtischen Haushalt bereitgestellt werden. Das lehnt die Wählergemeinschaft GfE ab.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Emder Stadtverwaltung, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.
An diesem Donnerstag entscheidet der Rat.
An den Plänen für das Apollo-Kino scheiden sich die Geister. Bild: Archiv