Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

06.11.2018 von Freddy Narewski

Stadt nimmt Abschied vom „Apollo”-Projekt

Emder Zeitung vom Dienstag, 6. November 2018, Seite 1

OB sieht keine Möglichkeit der Finanzierung

Von Ute Lipperheide s 0 49 21 / 89 00-416

Emden. Die Finanzierungslücke bei der geplanten Nutzung des ehemaligen Apollo-Gebäudes kann aus Sicht der Stadt Emden nicht geschlossen werden. „Ich kann jetzt nur noch vorschlagen, sich von dem Projekt zurückzuziehen, so leid mir das tut”, sagte Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann gestern auf Anfrage der Emder Zeitung.

Rund 150 000 Euro teurer würden die Umbaukosten - sie sind mit 1,2 Millionen Euro beziffert. Die Teuerung ergebe sich aus den seit zwei Jahren immens gestiegenen Baupreisen. „Die GfE will nicht mehr Geld ausgeben, das hat sie deutlich gemacht. Und damit kann ich nicht anders, als das Vorhaben zu stoppen”, sagte Bornemann. Eine Beschlussvorlage mit diesem Vorschlag wird er am Donnerstag den Ratsmitgliedern vorlegen. Damit scheint das Apollo-Projekt - dort sollte unter anderem ein Kulturzentrum entstehen - vom Tisch zu sein. Gestern wurden die Planungen um das ehemalige Kino am späten Nachmittag unter anderem im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss diskutiert.

Eine kleine Hoffnung gebe es allerdings noch, sagte der OB: „Vielleicht findet unser Apollo-Konzept doch noch mehr Befürworter im Rat, als es sich jetzt abzeichnet.” Die Fraktionen der CDU und der FDP haben den Umbau zu einer Kultureinrichtung grundsätzlich ausgeschlossen. Die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE) hatte ein Ultimatum gestellt. Bis März müssten die Pläne genehmigt sein, und der Kostenrahmen dürfe nicht überschritten werden. Alleine die SPD und die Grünen wollen weiter am Apollo festhalten. „Es gibt keinen Käufer. Deshalb wollen wir das Projekt auch weiter verfolgen, damit die Immobilie nicht verrottet”, sagte SPD-Fraktionschefin Maria Winter auf Anfrage. Aber auch ihre Fraktion diskutierte über den finanziellen Aufwand. Winter: „Das Geld fehlt an vielen Ecken, und man kann durchaus über Prioritäten nachdenken.”

Für den OB wäre der Mehraufwand vertretbar: „Die drei Nutzer würden sogar eine Mieterhöhung akzeptieren und stecken selber fast 300 000 Euro in das Objekt. Der Betrieb und der Umbau würden für die Stadt kostenneutral werden. Und wir hätten dann endlich etwas für Studenten und müssten uns bei Erstsemestertreffen nicht auslachen lassen, weil in Emden nichts los sei.”



Emder Zeitung vom Dienstag, 6. November 2018, Seite 14

Kommentar

alf hitschke 
Alf Hitschke

Nicht das Ende

Thema: Entscheidung zum Apollo

Am Donnerstag kann der Emder Rat über die Zukunft des Apollo-Vorhabens entscheiden. Den Mitgliedern des Gremiums steht eine Abstimmung bevor, die alles andere als einfach sein wird. Keine Frage: Am Donnerstag zählt Mut. Der Mut, Vernunft walten zu lassen und ein wirtschaftlich riskantes Projekt zu stoppen, das in einer Zeit gefährlicher finanzieller Engpässe selbst dann nicht vertretbar wäre, wenn alles nach Plan laufen würde. Da das äußerst unwahrscheinlich ist angesichts des alten Baus, der da auf Vordermann gebracht werden soll, bleibt erst recht nur ein Nein.

Ein Nein, das nicht das Ende des Apollo bedeuten muss. Das Gebäude sollte fortgesetzt vor weiterem Verfall geschützt werden; was natürlich auch Geld kostet. Das gibt der Stadt Zeit, einen Käufer zu suchen und zugleich ein sinnvolles Nutzungskonzept zu entwerfen, das entweder ein Käufer oder - sollte es der Haushalt wieder zulassen - sie selbst umsetzt. Beispielsweise ein wirkliches Kulturzentrum nahe an der ursprünglichen Idee des Apollo-Vereins aus dem Jahr 2010 - was nicht zuletzt die vielen Emder, die damals in dem ehemaligen Kino ihren Spaß hatten, sehr freuen dürfte.



Ostfriesen-Zeitung, Dienstag, 6. November 2018, Seite 18, Emden

Zukunft des Apollo-Projekts

Apollo: Verwaltung empfiehlt Verkauf
Schachzug

 

Von Gordon Päschel

 

Politik Stadt Emden begründet Vorschlag mit fehlender Unterstützung / Rat entscheidet Donnerstag

 

Die Wählergemeinschaft GfE lehnt den Umbau zu einem Kulturzentrum ab, weil sich das Projekt wegen steigender Baukosten verteuert hat. Die Mieter sichern derweil zu, den Mehraufwand zu tragen.

 

Emden - Die Emder Stadtverwaltung hat am Montag eine Beschlussvorlage veröffentlicht, in der sie den Verkauf des Apollos empfiehlt. Als Grund werden neue Kostenschätzungen für den Umbau des denkmalgeschützten städtischen Gebäudes zu einem Kulturzentrum genannt sowie die fehlende politische Unterstützung für das Projekt. Die Entscheidung fällt der Rat, der an diesem Donnerstag abstimmt.

 

Laut der Vorlage summieren sich die Kosten für den Umbau auf voraussichtlich 1,46 Millionen Euro – im Haushalt der Stadt werden lediglich 1,1 Millionen Euro bereitgestellt. Rat und Verwaltung hatten sich in der Vergangenheit darauf verständigt, die öffentlichen Ausgaben zu deckeln. Dass das Projekt gegenüber früheren Berechnungen teurer werden dürfte, wird auf Preissteigerungen im Baugewerbe zurückgeführt.

 

Wie ebenfalls aus der Vorlage hervorgeht, haben sich die Mieter, die das Apollo nach dem Umbau betreiben wollen, bereit erklärt, die zusätzlichen Kosten zu tragen. Zum einen haben sie ihren Eigenanteil an der Finanzierung von 100  000 Euro auf 260  000 Euro erhöht. Zum anderen akzeptieren sie einen Mietaufschlag. Damit soll eine notwendige nachträgliche Aufstockung der Haushaltsmittel um 150  000 Euro refinanziert werden.

 

Trotz dieser Zusagen lehnt die GfE als zweitstärkste Faktion im Emder Rat ab, das Projekt über die Haushaltsanpassung abzusichern. Weil sich in Vergangenheit auch die CDU und die FDP in Emden gegen die Umbaupläne ausgesprochen hatten, empfiehlt die Stadt, sich von der Immobilie zu trennen. Am Nachmittag kamen die Spitzen der Fraktionen und der Verwaltung im Verwaltungsausschuss (VA) zusammen, um hinter geschlossener Tür über den Vorlage der Stadt zu beraten.

 

Er könne die Haltung der GfE „nicht nachvollziehen“, zumal die Ausgaben „weiter gedeckelt“ seien, sagte Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) im Anschluss an die Sitzung. Er hatte sich dafür eingesetzt, dass die Stadt das ehemalige Kino erwirbt – Ende 2012 kaufte sie es für 450  000 Euro. Getragen wurde die Entscheidung von der SPD, die zu der Zeit die absolute Mehrheit im Rat hatte, und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

 

Johannes „Urmel“ Meyering ist einer der drei potenziellen Mieter des Apollos. Er reagierte am Montag überrascht auf die Beschlussvorlage. Es sei alles vorbereitet und durchgerechnet: „Wir könnten sofort loslegen“, sagte er am Montag. Dem GfE-Fraktionsvorsitzenden Jochen Eichhorn warf er „Wichtigtuerei“ und „politische Machtspiele“ vor. Es gehe diesem nicht um eine inhaltliche Diskussion, so Meyering.

 

Fraktionschef Eichhorn warnte dagegen vor den finanziellen Risiken des Projekts: „So lange wir keine Baugenehmigung haben, wissen wir doch gar nicht, was auf uns zukommt.“ Deswegen halte seine Fraktion an ihrer Forderung fest, dass spätestens bis zuoz apollom 30. März nächsten Jahres alle Zahlen und Genehmigungen auf dem Tisch liegen müssen. Zum Vorschlag der Verwaltung, die Verkaufs-Entscheidung auf die Ratssitzzung am Donnerstag vorzuziehen, sagte er: „Dem muss man ja nicht zustimmen.“

 

Am Donnerstag soll der Rat Emden auf Vorschlag der Stadt über das Schicksal des Apollo-Projekts entscheiden. Archivbild: Päschel