Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

16.10.2018 von Freddy Narewski

Abholzung erzürnt Emder Bürger

Emder Zeitung vom Dienstag, 16. Oktober 2018, Seite 3

Für die Sanierung der Straße „Zum Bind” musste ein gutes Dutzend Bäume weichen - zur Überraschung der Anwohner

Von Marten Klose s 0 49 21 / 89 00-431

Emden. Der Ärger um die Ertüchtigung der Straße „Zum Bind” nimmt kein Ende: Obwohl der Projektentwickler größtmögliche Transparenz versprochen hatte, sind jetzt 14 große Bäume gefällt worden. Und zwar ohne die Anwohner vorab zu informieren. Für die Petkumer ein Skandal. „Ich laufe hier jeden Morgen mit Bauchschmerzen an der Baustelle vorbei und frage mich, was wohl jetzt wieder passiert ist”, sagte eine Petkumerin gestern vor Ort gegenüber der EZ.

Denn für die Herstellung der Baustraße - die ist für das eigentliche Neubaugebiet „Zum Bind” nötig - gibt es seit Langem Ärger. Vor allem die Informationspolitik des Projektentwicklers „Antharis” stößt bei den Anwohnern auf heftige Kritik. Klar wird auch, dass der „Friedensgipfel” Ende Juni im Petkumer Sportheim alles andere als nachhaltig war (wir berichteten). Verschärft wird der Konflikt auch dadurch, dass die Bauarbeiten dem Zeitplan um Wochen hinterherhinken und bereits mehrere Bäume weichen mussten.bäume zum bind

Vor 50 Jahren eigenhändig gepflanzt

Die jetzige Baumfällung ist also das nächste Kapitel im Endlos-Streit: Der Säge zum Opfer gefallen sind drei Eichen, etwa zehn Birken und eine Esche. Einige davon befinden sich direkt vor dem Haus des FDP-Fraktionschefs Erich Bolinius. „Die Bäume habe ich vor einem halben Jahrhundert eigenhändig gepflanzt”, sagte er. Die Baufirma habe es offenbar nicht einmal für nötig befunden, die direkten Anlieger vorab über die Fällungen in Kenntnis zu setzen. Das stößt Bolinius sauer auf: „Ich ärgere mich darüber, dass in den Informationsveranstaltungen mehrfach gesagt wurde, man würde alles unternehmen, um so viele Bäume wie möglich zu retten.” Davon könne nun wirklich keine Rede mehr sein.

Die Verantwortlichen hätten nicht einmal die beiden Naturschutzbeauftragten Habbo Wildeboer und Stefan Rölling zu Rate gezogen. Bolinius' Kritik richtet sich an den Projektentwickler, die Baufirma und die Stadt. Letztere habe bei den jetzt erfolgten Fällungen aus Bolinius Sicht eine alles andere als glückliche Figur gemacht. Denn der zuständige Fachbereichsleiter Rainer Kinzel - das geht aus E-Mails hervor, die der EZ vorliegen - konnte Bolinius keine Auskunft zur Fäll-Aktion geben. Dabei hatten seine Mitarbeiter für die Sägearbeiten offenbar längst grünes Licht gegeben. Kinzel schrieb lediglich: „Das Ziel, die Bäume zu erhalten, ist auch mein Ziel.” Die Maßnahmen, so hieß es weiter, würden „umsichtig und vorsorgend” durch den Investor getroffen.

Projektentwickler Detlef Hagen sagte gestern, die Fällungen seien unvermeidbar gewesen. Denn anders als im ersten Bauabschnitt würde das Wurzelwerk direkt unter der Straße verlaufen. Außerdem ständen die Bäume auf der Westseite der Verbreiterung der Straße im Weg. Zur Info-Politik sagte er: „Wir können doch nicht jedes Mal vorab eine Bürgerversammlung organisieren.” Kommentar Seite 14


Emder Zeitung vom Dienstag, 16. Oktober 2018, Seite 14

 

 

 

 

 

Kommentar
marten klose

Marten Klose
Heiße Zeiten

Thema: Straßen-Ärger in Petkum

In Petkum herrscht wegen der Ertüchtigung der Straße „Zum Bind” wieder mal dicke Luft. Dieses Mal geht es um die Abholzung von 14 Bäumen. Es ist das nächste Kapitel im Endlos-Ärger um die Straßensanierung (Seite 3). Es zeigt sich: Das Verhältnis zwischen Anwohnern auf der einen Seite und dem Projektentwickler beziehungsweise der Stadt auf der anderen Seite ist zerrüttet. Da ist nichts mehr zu kitten. Die Ursache für den Zwist liegt Monate zurück: Der Projektentwickler hatte es einfach nicht auf die Reihe bekommen, die Petkumer frühzeitig zu einer Bürger-Informationsveranstaltung einzuladen. Wäre das eher geschehen, hätte man sich viel Ärger ersparen können. Als die Veranstaltung dann doch noch stattfand, war es bereits zu spät. Das Vertrauen der Petkumer war weg. Auch bei den jetzt gefällten Bäumen hat es der Projektentwickler wieder verschlafen, rechtzeitig mit den Anwohnern zu sprechen. Was bei allem besonders bedenklich stimmt: Bei den Arbeiten handelt es sich erst um die Ertüchtigung der Baustraße. Mit dem eigentlichen Baugebiet wurde noch gar nicht begonnen. Petkum stehen also noch heiße Zeiten bevor.



 

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Ostfriesen Zeitung Emden  - online -

15.10.2018

Zum Bind: Bolinius kritisiert Info-Politik

Von den Bäumen an der Straße Zum Bind sind nur noch Stümpfe übrig. Bild: Privat

Von Nina Harms

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Erich Bolinius wollte von der Stadt Emden wissen, ob es eine Möglichkeit gibt, Bäume an der Straße Zum Bind zu erhalten. Die Antwort stellte ihn nicht zufrieden.

Emden - Erich Bolinius ärgert sich. Der Emder Fraktionsvorsitzende der FDP und zugleich Anwohner der Straße Zum Bind in Emden kritisiert, dass zahlreiche Bäume entlang der Straße gefällt wurden. „Drei Eichen, zehn Birken und eine Esche – alle über 50 Jahre alt“, so Bolinius. Die Bäume standen vor seinem Haus und seien zum Teil von ihm selbst gepflanzt worden.

Wie berichtet, wird die Straße derzeit als Erschließungsstraße für das neue Baugebiet ausgebaut. Im Vorfeld hieß es seitens der Stadt und des Investors, dass es das Ziel sei, möglichst viele der alten Bäume zu erhalten.

„Das ist keine Art und Weise“

Bolinius geht es bei seiner Kritik nicht in erster Linie um die Tatsache, dass die Bäume gefällt werden mussten. „Ich bin der Letzte, der sich dem in den Weg stellt, wenn es keine andere Lösung gibt“, so Bolinius. Es ist die Informationspolitik, die ihn in Rage bringt. Denn obwohl die Stadt seinen Angaben zufolge bereits wusste, dass die Bäume gefällt werden – konkret geht es um die drei Eichen –, habe Bolinius auf eine offizielle Anfrage eine ausweichende Antwort vom zuständigen Fachdienst Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung der Stadt Emden erhalten. Dort heißt es, dass es das Ziel sei, die Bäume zu erhalten. „Wie bekannt, werden die Maßnahmen umsichtig und vorsorgend während der Baumaßnahmen durch den Investor getroffen.“ Zum aktuellen Stand könne man keine Infos geben, weil der zuständige Projektmanager erkrankt sei, heißt es dort weiter. Vom Investor und auch von anderer Seite habe Bolinius aber erfahren, dass zum Zeitpunkt seiner Anfrage längst alles entschieden gewesen sei. „Das ist keine Art und Weise“, so Bolinius.

Wie die Stadt Emden auf Nachfrage mitteilt, entscheide die Untere Naturschutzbehörde bei Bäumen, die der Baumschutzsatzung unterliegen, ob sie gefällt werden dürfen. Unter anderem unterliegen Eichen unter bestimmten Voraussetzungen dieser Satzung. In allen anderen Fällen habe der Investor einen Sachverständigen hinzugezogen, so Jens Gerdes, Pressesprecher der Stadt Emden. Von der Fällung betroffen seien in erster Linie alle Bäume, deren Wurzeln unter die Fahrbahn ragen. Denn durch die Bauarbeiten würde das Wurzelwerk beschädigt werden. Eine Standsicherheit sei nicht mehr gewährleistet, so Gerdes. Leichtfertig werde keiner der Bäume gefällt – egal, ob der Baumschutzsatzung unterliege oder nicht. „In allen Fällen wird die gutachterliche Meinung berücksichtigt“, so Gerdes. In welchen Fällen die Untere Naturschutzbehörde ihre Zustimmung für die Fällung gegeben hat, konnte die Stadt am Montag nicht beantworten.